Einprägsame Weine aus dem Tokaj

Posted on

Die Magyaren würdigen ihn sogar in ihrer Nationalhymne: „Nektar, Tropfen reinen Goldes aus Tokajs Keltern“ – Tokajer ist Ungarns weltbekannter Likörwein, der aus spät reifenden Reben gekeltert wird, die nicht nur von den heißen und trockenen Sommern, sondern auch von der milden, nebelreichen Herbstzeit profitieren.

Das Gold aus Tokay-Hegyalja

Dem bernsteinfarbenen Wein wurde einst nachgesagt, er enthalte pures Gold – die Stöcke sollen sogar einst goldene Reben getragen haben. Als 1779 eine goldene Traube gefunden wurde, ließ sie die Kaiserin Maria Theresia genau untersuchen. Das Ergebnis fiel allerdings ernüchternd aus: Es handelte sich lediglich um verharzten Traubensaft.

Das Weinbaugebiet Tokay-Hegyalja ist die Heimat des Weins. Tokay-Hegyalja ist ein Gebirgsausläufer im Nordosten Ungarns. Die nordwindgeschützte Lage und das rundum milde Klima bilden ideale Bedingungen für den notwendigen Edelfäulepilz. Entsprechend werden späte Rebsorten angebaut: 2/3 Furmint, dazu der Lindenblättrige Hárslevelü sowie Gelber Muskateller, deren Trauben bis zum Simon-Judas-Tag, dem 28. Oktober, am Stock bleiben.

Geerntet werden handverlesene, edelfaule Ausbruchbeeren für die Maische in 32-Liter-Spezialbütten, denen gesunde Trauben zugegeben werden, damit der Wein eine Auslese wird.

Die Büttenmenge pro 136-Liter-Normalfaß bestimmt über die Qualität, die Zahl der Lagerjahre und damit über den Wert des Tokajer. Dabei gilt eine Faustregel: Pro Bütte ein Jahr Lagerung, je mehr Bütten, desto süßer und edler wird er und kommt in höchster Qualität in 0,5-Liter-Flaschen. Die sogenannte Buttigkeit ist auf den Halsetiketten angegeben.

Tokajer – der Wein der Könige

Jetzt bieten die Kellerlabyrinthe unter den Dörfern der Region ein einzigartiges Mikroklima mit der Idealtemperatur von 10 bis 12 °C, die Kellerwände sind mit cladosporium cellare bedeckt – einem Pilz, der sich von verdunstetem Alkohol ernährt. Er macht aus dem kostbaren Taubennektar den vinum regnum, den Wein der Könige.

Der Tokajer war einst der einzig würdige Sterbetrunk für Gekrönte. Teuer ist guter Tokajer bis heute – wenn er nur alt genug ist.

Bild: bigstockphoto.com / woyzzeck

  • Share